Rechtsdogmatische Grundlagen des JUREX

Seit Kaiser Justinians Zeiten bis heute ist es üblich, die Paragraphen einer Rechtsvorschrift als Rechtssätze zu verstehen und dem jeweiligen Text des Paragraphen Kommentartexte hinzuzufügen. Diese Kommentartexte sollen durch die vom Kommentator vollzogene Auslegung die Unvollkommenheiten des Gesetzestextes überwinden helfen.

Eine solche Rechtsdokumentation hat entscheidende Nachteile:

Insgesamt wird heute der juristische Denkprozess auf einer niedrigen Ebene gehalten, auf der die Vorteile der künstlichen Intelligenz des Computers - Geschwindigkeit und - auch juristische - Exaktheit nicht genutzt werden können.

Informationstechnisch stellt sich die Methode, allein mit Büchern und Datenbanken Rechtswissenschaft betreiben zu wollen, als veraltetes Stadium der Informationstechnologie dar. Das Kursbuch der Bundesbahn diente - genau wie das juristische Buch - der Aufgabe, ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen. In der Rechtswissenschaft entspricht dies dem Ziel, Ob und Betrag einer Rechtsfolge zu bestimmen. Das Kursbuch ist längst dem elektronischen Auskunftssystem der Bundesbahn gewichen. Ein Auskunftsystem, das - ergänzt durch das Buch - den Einstieg in die Falllösung eröffnet, stellt JUREX dar. Neben der Beherrschung der Regeln seines Abfragesystems verlangt es freilich im Studium zu erwerbenden Grundkenntnisse der einzelnen Rechtsgebiete.

Statt der rein verbalen Darstellung des Rechtssatzes liegt eine computerinterne Darstellung des Rechtssatzes nahe, welche hinsichtlich der Rechtsfolge und der Voraussetzungen wie bisher aus verbalen Elementen, hinsichtlich der Verknüpfung von Rechtsfolge und ihren Voraussetzungen aber aus Ausdrücken der - überwiegend Boolschen - Algebra besteht. Beispiel:
Rechtsfolge: Anspruch auf Schadensersatz aus 823 Abs. 1 BGB
Verknüpfung: AUBUCUDUEUFUG

In der Verknüpfungszeile markieren die Buchstaben A bis G die einzelnen Voraussetzungen. Das U kennzeichnet eine UND-Verknüpfung, ein UN eine UND-NICHT-Verknüpfung, ein V (= vel) ein logisches Oder. Bei Berechnungen mit Beträgen und Datumsangaben treten Symbole wie + - * / auf. Weitere Einzelheiten ersehen Sie aus der Word-Datei, die im Verzeichnis ARBEIT.ZIP mit enthalten und die Sie sich mit dem Verzeichnis herunterladen können oder dem im Buchhandel erhältlichen Buch JUREX - DAS JURISTISCHE EXPERTENSYSTEM.

Jeder Der Rechtssatz wird bei JUREX in einem Dokument ausgedrückt. In dem Textteil des Dokuments wird die Rechtsprechung und die Literatur samt Gegenauffassungen dargestellt, und alle Argumente, die die Ableitung des im Dokument wiedergegebenen Rechtssatzes aus dem Gesetzestext zu rechtfertigen oder zu widerlegen versuchen.

Sie werden richtig einwenden, dass nicht alle Rechtssätze sich so exakt ausdrücken lassen. Bei ihnen muss es bei der rein verbalen Formulierung bleiben. Sie werden in einem reinen Textdokument wiedergegeben.

Die Lösung eines Falles erfordert stets den Sprung von dem Rechtssatz über die gesuchte Endrechtsfolge (z. B. die Anspruchsgrundlage) zu Rechtssätzen, welche deren Voraussetzungen und Untervoraussetzungen wiedergeben. Der Computer schafft dies in Bruchteilen von Sekunden. Er zieht fehlerfrei die logischen und mathematischen Folgerungen aus den Angaben, die der Jurist zu den einzelnen Voraussetzungen macht. Die Schrittfolge, die der Jurist dabei vollzieht, - hinab zu den Untervoraussetzungen und wieder hinauf zur Endrechtsfolge - stimmt haargenau mit dem Expertensystem-Algorithmus der Informatik überein.

Trotz allem bleibt der Jurist unentbehrlich:

Hier einige weitere Konsequenzen der mit JUREX ermöglichten Falllösung:

Ein wichtiger Anwendungbereich des JUREX sollte auch in der Gesetzgebung liegen. Setzt der Gesetzgebungsjurist seinen schriftlich verfassten Gesetzentwurf in eine Wissensbasis des JUREX um und löst er anschliessend eine Reihe von Fällen mit Hilfe der Wissensbasis , wird ihm besser als beim Schreibtischtest - auffallen, wie l&uum;ckenhaft, unsystematisch aufgebaut und als Grundlage beliebiger Fallentscheidungen ungeeignet sein Entwurf doch noch ist. Er wird die Wissensbasis solange ändern, bis seine Testfälle befriedigend gelöst sind. An Hand der so erstellten Wissensbasis und von eigenen Testfällen wird es auch anderen Juristen möglich sein, die Qualität des Entwurfs zu prüfen. Erst nach dieser Qualitätsprüfung ist es sinnvoll,die Wissensbasis in den Entwurf zurückzuübersetzen.

So - mit Hilfe austestbarer Modelle - arbeitet auch der Ingenieur beim Konstruieren von Maschinen. Da man Gesetze wie Rechtswirkungen schaffende Maschinen betrachten kann, liegt es nahe, durch ein solches ingenieurmässiges Vorgehen auch bei Gesetzentwürfen volkswirtschaftlich kostspielige Fehlentwickungen des Rechts zu vermeiden.

So entstandene Wissensbasen zu Gesetzentwürfen können, falls man sie nach der Veröffentlichung des Gesetzes im Gesetzblatt in das Internet einstellt, wiederum vom Rechtsanwender benutzt werden, um nach der Gesetzesänderung schneller und gesetzesnäher als bisher zu einer angemessenen Judikatur zu gelangen. Zurück nach index.html